Vera Steschin
//Sprachassistentin am SLZ Pawlodar//

,,Sie gehen nach Pavlodar? Oh, wie interessant!“ Und nach einer kurzen Pause: ,,Aber wo liegt denn das?“

Was wie eine zum Schmunzeln verführende Anekdote klingt, ist die fast wörtlich wiedergegebene Reaktion einiger meiner Mitmenschen auf meine beruflichen Pläne für die kommenden Monate, in denen ich in Pavlodar als Sprachassistentin für die Förderung der deutschen Minderheit tätig sein werde.

Die Frage nach der geographischen Verortung ist dabei nicht gänzlich illegitim, denn auch meine eigenen Landkartenkenntnisse erlaubten mir bis dato nicht mehr als die grobe Zuteilung ,,irgendwo im Norden Kasachstans“. Tatsächlich ist Pavlodar die Hauptstadt des gleichnamigen Gebiets und liegt am Fluss Irtysch im Nord-Osten Kasachstans. Die räumliche Distanz zwischen Pawlodar und Berlin dehnt sich auf ungefähre 5000km aus, was wiederum nahezu selbstredend auf kulturelle oder klimatische Spezifika verweist. Besonderheiten, die mir neu und nicht neu sind, wenngleich sich in diesem Fall theoretische Kenntnisse mit praktischer Erfahrung duellieren.

In meinem ersten Studium an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz widmete ich mein Fachinteresse der Slavistik mit dem Schwerpunkt Russistik, was von Kulturanthropologie und Volkskunde im Beifach akkompagniert wurde. Daran anschließend vertiefte ich meine Studien und nahm an der Universität Potsdam das Masterstudium Osteuropäische Kulturstudien auf, wozwischen ich ebenso die Vorlesungssäle der Staatlichen Universität in Sankt-Petersburg sowie derFreien Universität Berlin kennenlernte.Obschon der thematische Schwerpunkt überwiegend auf Russland lag, so hat insbesondere die Beschäftigung mit dessen sowjetischer Vergangenheit via wissenschaftlicher oder auch belletristischer Lektüre auch andere Ecken tangiert – darunter Kasachstan. Doch nicht zuletzt die Reiselust hat mich oftmals die Dinge kennenlernen lassen, die kein gedrucktes Wort zu vermitteln vermag.

Bei dem Wort „Kasachstan“ erschien bislang vor meinem inneren Auge nur das romantisierte Bild weiter Steppenlandschaften und Menschen, deren Leben nicht zuletzt durch die Andersartigkeit der Natur und der kulturellen Gepflogenheiten nicht gänzlich dem ähnelt, was ich aus meinem bisherigen kannte. Ein Bild gespeist aus frühen Kindheitserinnerungen, Literatur und medialer Darstellung.

Diese Vorstellung will ich mit der Erfahrung des Lebens vor Ort kontrastieren, um zu erleben, was es wirklich bedeutet, in diesem Land zu leben. Doch treiben mich keineswegs nur die Abenteuerlust und der Wunsch, mir unbekannte Kulturen zu erschließen, nach Pawlodar. Für mich ist es ebenso wichtig, weitere Erfahrungen auf dem Feld der interkulturellen Arbeit machen zu können. Meine gesamte Studienzeit war geprägt von der Arbeit mitausländischenStudierenden. Im Rahmen diverser Integrationsprogramme half ich Studenten und Studentinnen aus den unterschiedlichsten Ländern, den Start in Deutschland zu erleichtern. Die Vermittlung von Sprache und Kultur war ein integraler Bestandteil meiner Aufgaben.

In diesem Sinne schlage ich von dieser Tätigkeit eine direkte Brücke zur Sprachassistenz in Pavlodar. Ich habe die Hoffnung, meine bisher gesammelten Erfahrungen und erworbenen Kenntnisse sinnvoll und nützlich einbringen zu können – sie als Fundament, auf dem ich aufbauen kann, für größere Aufgaben nehmen zu können, um das in vielen Fällen lediglich imaginierte Land des Interesses lebendiger und konturierter werden zu lassen.

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